Meine künstlerische Arbeit verortet sich im Spannungsfeld zwischen Naturbeobachtung und formaler Abstraktion. Pflanzen, Gräser und die linearen Strukturen ihrer Wuchsformen dienen mir dabei nicht als botanische Motive, sondern als Ausgangspunkt für eine visuelle Untersuchung von Rhythmus, Raum und Bewegung.

Der Ursprung meiner Arbeitsweise liegt in der intensiven Auseinandersetzung mit der japanischen Tuschemalerei. Dieses Medium eröffnet ein vielschichtiges Spannungsfeld zwischen Kontrolle und Offenheit: Es ermöglicht präzise Setzungen ebenso wie das Zulassen von Fließen, Verschwimmen und bewusst herbeigeführten Zufälligkeiten. In diesem Wechselspiel entfaltet sich ein prozessuales Arbeiten, in dem sich gesteuerte und eigenständige Bildentwicklungen überlagern.

Zentral ist für mich die Linie – in ihrer Klarheit ebenso wie in ihrer Auflösung. Mich interessiert ihr Verhalten im Zusammenspiel mit Wasser und Fläche, ihr Übergang von Kontur zu Bewegung, von Setzung zu Ausdehnung. Erste Experimente mit Washi-Papier führten mich zunehmend zu größeren Formaten und zur Arbeit auf Leinwand, wo sich die spezifischen Eigenschaften der Tusche in neuer Weise entfalten.

Linie und Farbe verstehe ich als meine zentralen Ausdrucksmittel: Sie werden zum Träger von Energie, zum architektonischen Element und zugleich zum poetischen Zeichen. In der Überlagerung transparenter Farbschichten sowie im Wechselspiel von Verdichtung und Offenheit entsteht ein Bildraum, der weniger die äußere Erscheinung der Natur abbildet als vielmehr ihre innere Organisation und Atmosphäre erfahrbar macht. Die Verwendung auch farbiger Tuschen erweitert dabei das Spektrum und eröffnet komplexe Beziehungen zwischen Linie, Fläche und Raum.

Inhaltlich richtet sich mein Blick auf das scheinbar Unscheinbare: Gräser, die im Alltag oft übersehen werden. In ihrer Vielfalt zeigen sich unzählige Formen, Strukturen und Farbnuancen, die sich im Verlauf der Jahreszeiten unter dem Einfluss von Witterung und Klima stetig verändern. Aus diesen Beobachtungen heraus entstehen Bildgefüge aus Verflechtungen, Verdichtungen und reduzierten Einzelformen, die ich als lebendige Landschaften begreife.

 

Mein Arbeitsprozess bewegt sich zwischen Kontrolle und Intuition. Linien führen, verdichten sich oder lösen sich wieder auf; Farben tragen Stimmungen, Jahreszeiten und innere Regungen. Die Zwischenräume – das Nicht-Gemalte – sind dabei ebenso wesentlich wie die gesetzten Zeichen. So entstehen Werke, die nicht abbilden, sondern erfahrbar machen: Bildräume, die die fragile Ordnung der Natur reflektieren, ihre temporären Zustände und ihre fortwährende Veränderung sichtbar und spürbar werden lassen.