Horizonte Heike Renz und Manfred Loose – Ausstellung in der Sparkasse Herrenberg, Vernissage am Freitag, 08. Mai 2026, 18:30 Uhr

 

Sehr geehrte Damen und Herren, herzlich willkommen zur Doppel-Ausstellung von Heike Renz und Manfred Loose. Zwei Künstler aus verschiedenen Generationen haben sich hier und heute in der Darstellung von Landschaft und Natur zusammengefunden. Sie ergänzen sich thematisch und malerisch und sind zudem Freunde, die sich bereits schon sehr lange kennen und die zudem die Begeisterung für die landschaftliche Schönheiten Dänemarks – das gemeinsame Lieblingsland verbindet.

"     ..      ." 

Mehr als eine Generation jünger ist die Malerin Heike Renz, die hier in Herrenberg geboren wurde. Auch sie war zunächst im angewandten Bereich tätig. Nach einem Studium an der Kunstakademie Stuttgart, wo sie sich dagegen entschied, Lehrerin zu werden und einem Abschluss als Textildesignerin, arbeitete sie als Designerin äußert erfolgreich für international bekannte Firmen, bevor sie sich nach einer lebensverändernden Krise der freien Malerei zuwandte und sogar eine Kunstschule gründete.

Anders als Manfred Loose, der den Landschaftsüberblick sucht, rückt Heike Renz der Natur ganz nah, malt Gräser und Blüten im Detail und versucht die Spannung des Vergehens und Werdens sowie die intensiven Verflechtungen der Gräser sowie das warme Glühen der Sonne oder auch deren Erblassen einzufangen. Und auch ganz anders als bei Manfred Loose, ist ihr Malprozess ein einziges Experiment.

So entstehen mehrteilige Serien, in denen sie mit verschiedenen malerischen Techniken die Bewegungen und Stimmungen der Natur gekonnt einzufangen versucht. Beeinflusst von der japanischen Lehre und Philosophie des Sumi-e, mit der sie sich intensiv auseinandersetzte, leitet sie dann auch die für ihre Malerei wichtigste Maxima ab:

Man muss das fühlen, was man malt.

Ihr Malprozess ist dann auch spontan und energiegeladenen, sie arbeitet mit Aquarell und Tusche und setzt Akzente mit Pastellkreide, während sie den Hintergrund mit Acrylfarbe ausführt.

Naturformen werden von ihr abstrahiert und wieder zur erkennbaren Pflanze konzentriert, die sich dann wieder in einer energiegeladenen Vibration geradezu auflöst. Auch ihre Bilder sind wie die Natur in einer ständigen Veränderung und Verwandlung begriffen. In ihnen intensiviert Heike Renz das Erleben der Natur, taucht ganz tief in die verschiedenen Strukturen der Pflanzen, in die Stimmungen des Lichts und die jahreszeitliche Veränderung der Farben ein. In jeder Jahreszeit hat zum Beispiel das Gras eine andere Farbe und eine ganz eigene Dynamik. Wobei der Farbe insgesamt eine besondere Rolle zukommt, denn sie besitzt in Heike Renz Bildern eine ganze eigene Kraft. So finden sich gerade bei den bewegten Gräsern bis zu rund 15 verschiedene Grüntöne, die vom kühlen Türkis bis ins warme dunkle Grün reichen. Jedes Bild ist so für Heike Renz ein Experiment, das in einem spontanen und intensiven Schaffensprozess entsteht. Zum Teil werden Farben und Linien bewusst gesetzt, noch öfter hingegen wird die Farbe mit dem Pinsel gespritzt oder die Maloberfläche gar mit Wasser besprengt, so dass sich zuvor fest gefügte Strukturen auch wieder auflösen. Der Zufall spielt hier mit rein und lässt so ganz eigene, nicht planbare Strukturen, eine neue Rhtymik sowie ganz neue Farbverläufe entstehen. Statik wird so bei ihr komplett vermieden, die Natur erscheint immer in Bewegung, die durch den aktiven und impulsiven Malprozess entsteht. Denn auch die Natur ist immer in Bewegung, ist immer im Vergehen und Werden begriffen.

Generell faszinieren Heike Renz Übergänge in der Natur, etwa der Wechsel der Jahreszeiten, der sich zunächst nur ganz vorsichtig und in feinen Nuancen ankündigt.

Bereits in das sommerliche Farbenglühen der bunten Blütenblätter mischen sich erste braune verblühte Akzente, die das Ende des Sommers bereits in sich tragen. Doch auch der Winter ist nicht nur trist und trübe, sondern auch da finden sich Spuren der Vegetation, die farbliche Akzente inmitten der Eiskristalle setzten. Einige der Winterbilder sind strukturell bewegt, andere erscheinen mit ihren kühlen wie verblasst wirken Farben und ungewöhnlich statischen Linien wie unter einer Eisfläche erstarrt, so dass sie letztlich eine kontemplative Ruhe ausstrahlen.

Eine besondere Anziehungskraft hat für Heike Renz das Wasser in einem anderen Aggregatzustand, dem stetig fließenden. So malt sie besonders gerne am Bodensee, der für sie ein Kraftort ist. Alte und neue Triebe des Schilfgrases überlagern sich und bilden neue Strukturen, schwanken im Wellengang und lösen sich wieder auf. Das Wasser, in dem sich Pflanzen und Sonnenlicht spiegeln, besticht durch ein atmosphärisches Flirren und scheint sich in einer ständigen dynamischen Bewegung zu befinden. Frische und Kühle vermitteln sich so dem Betrachter.

Und sogar das Schietwetter, das auch schon einmal im August auftreten kann, übt auf Heike Renz in den neu entstehenden Bewegungsverläufen und düsteren Farben, die uns frösteln lassen, eine große Faszination aus.

Extreme Farbverläufe und sich auflösende Strukturen sind das Merkmal ihrer frühen Aquarelle mit dem Titel „Flower-Power“, in denen Heike Renz die malerischen Möglichkeiten ausreizt, Die Farbe läuft über die gesamte Bildfläche und die bunten Blüten explodieren regelrecht in einem Rausch der Farben.

 

So fügen sich die Bilder dieser beiden Künstler – die idyllischen Landschaften von Manfred Loose, eine reine Stimmungsmalerei ohne Experiment und die bewegten Naturimpressionen von Heike Renz, dessen Essenz das Experiment schlechthin bildet, harmonisch zusammen. Im Dialog korrespondieren atmosphärische Landschaftsüberblicke und detaillierte, sich strukturierende und doch wieder auflösende Detailschilderungen optisch miteinander.

 

Beim Entdecken bekannter und unbekannter Orte, beim Finden neuer Einsichten in wilde Blumenwiesen wünsche ich Ihnen sehr viel Freude und einen wunderschönen Abend.

 

© Dr. Carla Heussler