Vorwort zum Katalog der Ausstellung

„Farbenrausch“ von Heike Renz vom 06.02.2015 bis 22.03.2015 in der Galerie im Kulturzentrum und in der Stadtbibliothek Herrenberg

 

„Was wir die Wirklichkeit nennen, ist eine bestimmte Beziehung zwischen Empfindungen und Erinnerungen.“

Marcel Proust

 

Heike Renz präsentiert in diesem Katalog eine stimmige und sorgsam durchgearbeitete Werkserie, in der die Künstlerin Landschaften und Lichter diverser Großstädte auf die Leinwand bringt.

 

Die Künstlerin versteht es, die ihr zur Verfügung stehenden koloristischen Mittel als Instrumentarium von einer bemerkenswerten Intensität und Modulationsfähigkeit anzuwenden. Auf den Flächen ihrer Bildträger lässt Heike Renz ausdrucksstarke Bildwelten in reinen Farbklängen, Farbnuancen und Liniengefügen entstehen. Dabei trägt die Künstlerin in mehreren Arbeitsschritten mit den Händen, mit Tapezierpinseln, Pumpsprays, Bürsten, Scheibenwischern oder Schwämmen arbeitend ihre Acryl-, Lack- und Gouachefarben sowie Pastellkreiden formatfüllend auf die Leinwand auf.

 

In einem planvollen, konzentrierten und zeitaufwendigen Malprozess entwickelt die Künstlerin intensive, rhythmisierte und bisweilen bizarre Farblandschaften. Dabei dominiert der Eindruck der Flächigkeit gegenüber der Konstruktion des Bildraums in die Tiefe. Und so führt Heike Renz homogene Bildflächen vor Augen, in denen sich die einzelnen Arbeitsschritte in feinen Farbabstufungen verlieren.

 

Auf der Suche nach neuen Bildformen und Techniken, in der Befreiung der Farbe aus form- und gegenstandsgebundenen Bezügen sowie durch die Verfremdungstechnik der unscharfen Darstellung ganz im Sinne der abstrahierenden Malerei ist den Bildern von Heike Renz das Bekenntnis zur Tradition des Gemäldes gemein.

 

Der Abbildungscharakter hebt sich in Unschärfe auf und macht dem subjektiven Eindruck von einer ins Wanken geratenen Dingwelt zugunsten einer starkbunten Bildwelt im Lichter- und Farbenrausch Platz. Es ist augenscheinlich, dass die Künstlerin in Ihrer Malerei keine wirklichkeitsgetreue Ansicht einer Landschaft oder einer Stadt bietet, wie wir sie als Betrachter erwarten dürften.

Und so werden die Landschaften und Stadtansichten von Heike Renz zu zeitlosen farbintensiven und zu rätselhaft verschwommenen Bildwelten. Die unterschwelligen Schichten jener Eindrücke und Erinnerungen ergeben ganz eigene, verfremdende, eben erspürte und verwischend in Farbbahnen gezogene Bildlandschaften der Künstlerin.

 

Heike Renz geht es nicht um ein realistisches Abbild der sichtbaren Wirklichkeit, sondern um den erinnerten, erlesenen und in die pulsierende Farbigkeit übersetzen Eindruck. So führt uns die Künstlerin verfremdend unscharfe und dabei farbintensive Bilder vor Augen, die zunächst scheinbar flüchtig hingeworfen erscheinen, die jedoch bei genauerer Betrachtung als Erinnerungs- und Gedankensplitter aufwarten.

 

Die farbenrauschende Bildwelt, die Heike Renz entwirft, ist nicht eindimensional oder simpel, sondern immer vielschichtig – destilliert aus ihrem Geist, sodann subjektiv verdichtet.

 

 

Elena Tutino